May 14, 2026

Als Thomas aufgehört hat zu funktionieren — und angefangen hat zu leben

Als Thomas aufgehört hat zu funktionieren — und angefangen hat zu leben

Als Thomas aufgehört hat zu funktionieren — und angefangen hat zu leben

Seine Frau hat es zuerst bemerkt.

Nicht dass er gestresst war — das war er schon seit Jahren. Sondern dass er beim Abendessen saß und sie ihn etwas fragte, und er antwortete, und beide wussten: Er war nicht wirklich dabei gewesen.

Thomas selbst hat es erst später bemerkt. An einem Sonntagvormittag, seine Kinder im Garten, Sonnenschein — und er spürte nichts davon. Nicht weil ihm etwas fehlte. Sondern weil der Kopf einfach nie aufgehört hatte zu laufen.

52 Jahre. Davon mindestens 20 im Dauerbetrieb.

Kein Burnout. Etwas Subtileres.

Thomas war nicht zusammengebrochen. Er funktionierte — gut sogar. Aber Funktionieren ist nicht dasselbe wie Leben. Und irgendwann hatte er verlernt, den Unterschied zu spüren.

Er kam nicht zu mir weil er nicht mehr konnte. Er kam weil er sich fragte, ob das wirklich alles ist.

Was wir gemacht haben

Wir haben nicht an Symptomen gearbeitet. Wir sind dorthin gegangen, wo die Muster sitzen — tief, automatisch, seit Jahrzehnten eingespielt.

Nach der zweiten Sitzung rief mich Thomas an. Nicht um etwas zu berichten — sondern weil er einfach sagen wollte, dass er am Vorabend mit seiner Frau auf der Terrasse gesessen und nichts getan hatte. Einfach gesessen. Und dass sich das — seltsamerweise — vollkommen in Ordnung angefühlt hatte.

Für ihn war das neu.

Was geblieben ist

Thomas kommt nicht mehr zu mir. Er braucht das nicht mehr.

Aber manchmal schreibt er mir kurz. Meistens nichts Besonderes — ein Satz, ein Foto vom Garten, ein "passt".

Das reicht.

Wenn du weißt wovon dieser Text handelt — dann weißt du auch, dass es Zeit ist, etwas zu ändern. Ich bin da.